Die Lebensmsittelzeitung (LZ) berichtet über die jüngsten Entwicklungen im Bereich der freiwilligen Nährwertkennzeichnung mittels Nutri-Score. Fünf Jahre nach Einführung diese Bewertungssystems wird der Ruf nach einer einheitlichen, verbindlichen Lösung auf EU-Ebene lauter. Eine im Auftrag von Foodwatch erstellte Studie bescheinigt dem Kennzeichen zwar eine hohe Bekanntheit, aber eine geringe Nutzung. Rund 78 Prozent der Verbraucher kennen das Logo, doch nur etwa 31 Prozent nutzen es regelmäßig für Kaufentscheidungen. Als Gründe nennt die Studie ein mangelndes Verständnis der Bewertungskriterien sowie unzureichende Kommunikation bei Anpassungen des Algorithmus, was das Vertrauen in das System beeinträchtigt.
Industrieunternehmen äußern sich unterschiedlich. Dr. Oetker verweist darauf, dass der Nutri-Score weiterhin auf den Verpackungen zu finden sei, kritisiert jedoch die Überarbeitung des Algorithmus durch den französischen Lizenzgeber Santé Publique. Die laufende Umstellung bis Ende 2025 führe dazu, dass identische Produkte zeitweise mit unterschiedlichen Bewertungen im Handel stehen. Dies könne Verbraucher verunsichern und die Akzeptanz schwächen. Das Unternehmen spricht sich daher für eine langfristig stabile, einheitliche und verbindliche EU-weite Lösung aus.
Nestlé Deutschland unterstützt den Nutri-Score weiterhin und versieht alle infrage kommenden Produkte mit dem Logo, während die Umstellung auf den neuen Algorithmus fortgesetzt wird. Danone hingegen sieht den Nutri-Score nicht mehr als geeignetes Referenzsystem auf EU-Ebene. Das Unternehmen kritisiert die fehlende Harmonisierung innerhalb der EU und den hohen Komplexitätsgrad für international tätige Hersteller. Infolgedessen entfernt Danone den Nutri-Score schrittweise von Milchfrischeprodukten und pflanzlichen Alternativen, da deren Einstufung als Getränke den Nährwert aus Unternehmenssicht unzureichend abbilde.
Foodwatch fordert eine breitere Anwendung des Nutri-Scores, etwa durch eine Anzeige am Regal oder auf elektronischen Preisschildern, sowie eine Kennzeichnungspflicht für alle Hersteller. Diese wird jedoch vom Bundesernährungsministerium als europarechtlich nicht umsetzbar zurückgewiesen. Studienautor Achim Spiller sieht die größte Lücke bei Markenartikeln: Viele Hersteller verzichteten auf das Label, um schlechtere Bewertungen im Vergleich zu Handelsmarken zu vermeiden.
Quelle:
- Deglow HJ in der LZ: Nachricht vom 12.12.2025
Dr. Marion Gebhart