„Keine ungespülten Honiggläser entsorgen“ – diese Warnung auf Altglascontainern springt einem bei der Entsorgung von Weinflaschen, Marmeladengläsern und natürlich Honiggläsern oft ins Auge. Aber warum sind Gläser mit den letzten Honigresten so problematisch?
Honig an sich ist nicht gefährlich – vor allem aus dem Ausland importierter Honig enthält jedoch häufig Sporen der tödlichen Bienenkrankheit Amerikanische Faulbrut, eine bakterielle Bienenseuche, die junge Bienenlarven in den Waben befällt. Die Bakterien vermehren sich in der Brut und zersetzen die Larven zu einem zähen Brei, der tausende Dauersporen enthält. Räumt eine Putzerbiene die Zelle anschließend, verteilt sie die Sporen im Volk und infiziert weitere Larven. Die Dauersporen sind extrem widerstandsfähig, überstehen hohe wie niedrige Temperaturen und bleiben in Honig und Wachs lange aktiv.
Weil die Amerikanische Faulbrut hochinfektiös ist und verheerende Auswirkungen auf Bienenvölker hat, ist sie in Deutschland anzeigepflichtig. Stellt das Veterinäramt einen Ausbruch fest, wird um den betroffenen Standort eine kilometerweite Sperrzone eingerichtet, in der Bienenvölker nicht bewegt werden dürfen. Ziel ist es, eine weitere Ausbreitung zu verhindern. Befallene Völker werden mit großem Aufwand saniert – im schlimmsten Fall müssen sie abgetötet werden.
Vor allem im nicht-europäischen Ausland ist die Amerikanische Faulbrut weit verbreitet und kommt in vielen Bienenvölkern vor, wird dort jedoch häufig durch den Einsatz von Antibiotika unterdrückt. Dennoch kann dieser Honig, der auch in deutschen Supermarktregalen landet, Sporen enthalten. Für Menschen sind diese unbedenklich – heimische Honigbienen können sich jedoch daran infizieren.
Hier schließt sich der Kreis: Im Spätsommer und Herbst, wenn Bienen in der Natur weniger Nahrung finden, suchen sie verstärkt nach alternativen Nahrungsquellen – auch in Altglascontainern. Auch wenn für eine Infektion eine gewisse Sporenmenge erforderlich ist, besteht dort ein erhöhtes Risiko. Um Bienen vor der Amerikanischen Faulbrut zu schützen, sollten Honiggläser vor der Entsorgung im Altglascontainer immer gründlich ausgespült werden, sodass keine Honigreste mehr erreichbar sind. Die bessere Alternative ist heimischer Honig aus deutschen Imkereien, der in der Regel nicht mit Faulbrutsporen belastet ist, da die Amerikanische Faulbrut in Deutschland staatlich sehr erfolgreich bekämpft wird. Viele Imkerinnen und Imker setzen zudem auf ein Pfandsystem, bei dem Gläser umweltfreundlich wiederverwendet werden können – das leere Glas kann einfach gegen ein volles eingetauscht werden.
Quelle: Meldung agrarheute.de vom 29.06.2026