Jedes Jahr werden am Chemischen und Veterinäruntersuchungsamt (CVUA) Stuttgart Lakritz-Erzeugnisse u. a. auf ihre Gehalte an Glycyrrhizin und Ammoniumchlorid untersucht. Hierbei wird dann insbesondere überprüft, ob die notwendigen Warnhinweise auf den Verpackungen vorhanden sind und ob die Höchstmengen für Glycyrrhizin und -säure eingehalten werden.
Erfreulicherweise wurden in den Proben bisher noch keine Höchstmengenüberschreitungen festgestellt und in der Regel sind auch die erforderlichen Warnhinweise vorhanden. Zusätzlich erfolgt bei allen Proben eine sensorische Prüfung sowie stichprobenartig eine Überprüfung der Gehaltsangaben in der Nährwertkennzeichnung, z. B. der deklarierte Zuckergehalt.
Stichprobenartig wird auch auf die Pflanzeninhaltsstoffe Matrin und Oxymatrin geprüft. Diese werden vereinzelt in Süßholzwurzel-Extrakten gefunden, wenn beim Ernten der Süßholzwurzeln versehentlich die ähnlich aussehenden Wurzeln der Schnurbäume mitgesammelt werden. Schnurbäume schützen sich mit diesen Pflanzenalkaloiden gegen Fraßfeinde wie Insekten. Seit 2023 konnte das SVUA Oxymatrin in keiner und Matrin in 5 von 22 untersuchten Proben nachweisen. In diesen Fällen informiert die zuständige Lebensmittelüberwachungsbehörde das herstellende Unternehmen. Diese sorgt dann dafür, dass Maßnahmen ergriffen werden, um die Eintragsquellen zu identifizieren und minimieren. Ein Zusammenhang zwischen dem Anteil an Süßholz in einer Probe und dem Vorhandensein von Matrin konnte nicht festgestellt werden.
Der herstellungsbedingte Kontaminant Acrylamid bildet sich, wenn die in Lebensmitteln natürlich vorkommende freie Aminosäure Asparagin mit reduzierenden Zuckern, wie Glucose oder Fructose, bei Temperaturen über 120 °C und geringem Wassergehalt reagiert. Diese Bedingungen herrschen zum Beispiel beim Backen, Frittieren oder Rösten von Lebensmitteln vor. Acrylamid steht im Verdacht, das Erbgut zu verändern und das Krebsrisiko zu erhöhen.
Lakritz wird zwar weder gebacken, noch geröstet oder frittiert, aber Untersuchungen zu Trockenobst haben bereits gezeigt, dass Acrylamid auch in Lebensmitteln vorkommen kann, die zwar bei Temperaturen kleiner 100 °C aber unter hohem Wasserverlust getrocknet wurden.
Tatsächich hat das CVUA in jeder der 26 untersuchten Proben Lakritz Acrylamid gefunden – von 10 µg/kg bis immerhin 693 µg/kg, mit einem mittleren Gehalt von 138 µg/kg. Dies entspricht immerhin in etwa dem Gehalt, den man im Mittel in Pommes frites finde.
Das CVUA empfiehlt Lakritz nur in Maßen zu genießen und die Warnhinweise auf den Verpackungen zu beachten. Neben gesundheitlich relevanten natürlichen Inhaltsstoffen und Prozesskontaminanten enthält Lakritz als echte Süßigkeit in der Regel auch erhebliche Mengen an Zucker.
Quelle: Meldung Chemisches und Veterinäruntersuchungsamt (CVUA) Stuttgart vom 22.09.2026