In der aktuellen Ausgabe der „Lebensmittelchemie“ beschreiben die Autoren des CVUA Stuttgart die Entwicklung und den heutigen Stellenwert der MALDI-TOF-Massenspektrometrie in der Lebensmittelchemie und Mikrobiologie. Dabei legen sie einen besonderen Fokus auf neuere Anwendungen und den praktischen Nutzen der nutzergetriebenen Plattform MALDI-UP.
Die Methode ist seit Jahren als schnelle und zuverlässige Standardtechnik zur Identifizierung von Bakterien, Hefen und Schimmelpilzen etabliert. In den letzten Jahren hat sich das Anwendungsspektrum jedoch deutlich über die klassische Mikrobiologie hinaus erweitert.
Ein zentrales neues Einsatzfeld liegt in der Aufdeckung von Lebensmittelbetrug. Durch angepasste Probenvorbereitung und Proteinextraktion wird MALDI-TOF-MS zunehmend zur Bestimmung von Tier- und Pflanzenarten in komplexen Lebensmitteln eingesetzt, etwa bei Fleisch-, Fisch-, Käse- oder Pflanzenprodukten sowie bei Insekten und Krebstieren. Diese Anwendungen ermöglichen es, Falschdeklarationen effizient zu erkennen und Herkunftsangaben zu überprüfen. Die Vorteile liegen in der hohen Geschwindigkeit, dem geringen Aufwand für die Probenvorbereitung und der Möglichkeit, spezifische Datenbanken für klar definierte Fragestellungen aufzubauen und nach Validierung auch im akkreditierten Routinebetrieb zu nutzen.
Die seit 2015 betriebene Nutzerplattform MALDI-UP unterstützt diese Entwicklung durch einen strukturierten Austausch von Referenzspektren, Metadaten und Validierungserfahrungen zwischen Laboren. Anstelle einer zentralen Datenabgabe steht der bilaterale Austausch im Vordergrund, wodurch die Institutionen, die die Daten erstellen, die Kontrolle darüber behalten. In den letzten Jahren ist der Umfang der verfügbaren Einträge stark gewachsen und bildet heute eine breite Grundlage für neue analytische Fragestellungen. Der praktische Nutzen zeigt sich unter anderem darin, dass Datenbanken durch Kooperationen gezielt erweitert werden können, womit auch seltene oder regulatorisch relevante Arten abgedeckt werden.
Als aktuelles Beispiel wird die sichere Pflanzenartbestimmung aus Samenmaterial von Heidelbeeren genannt. Die Methode wurde erfolgreich in der internationalen Kontrollaktionen OPSON XIII zur Bekämpfung von Lebensmittelbetrug eingesetzt und über die Plattform anderen Laboren zur Verfügung gestellt. Ergänzt wird das Angebot von MALDI-UP durch praxisnahe Werkzeuge wie Kurzprotokolle, Validierungsformulare, Schulungsunterlagen und Hinweise auf Fortbildungen, die den Einstieg und die Weiterentwicklung neuer Anwendungen erleichtern.
Quelle:
- Rau, J., Dyk M. (2025): Zehn Jahre MALDI-Nutzer-Plattform MALDI-UP – ein Katalog für Mikrobiologie und Lebensmittelchemie. Lebensmittelchemie 79, 190-192. https://doi.org/10.1002%2Flemi.202500606
Dr. Marion Gebhart