Seit Dezember 2025 wird weltweit Säuglingsnahrung verschiedener Hersteller zurückgerufen, weil nicht ausgeschlossenen werden kann, dass das Toxin Cereulid enthalten ist. Nach aktuellen Informationen könnte die Verunreinigung auf ein durch Fermentation gewonnenes Öl eines Zulieferers zurückzuführen sein, das als Zutat verwendet wird.
Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) aktualisierte und erweiterte inzwischen seine Informationen auf der Internetseite. Es betont dabei, wie wichtig die möglichst frische Zubereitung von Säuglingsnahrung ist. Besonders anfällig sind auch gekochter Reis, bei dem enthaltene Sporen des Bakteriums bei nicht sachgerechter oder zu langer Lagerung auskeimen und Cereulid bilden können.
Gebildet wird dieses Toxin von bestimmten Stämmen der Bacillus (B.) cereus-Gruppe, die auch als „emetische Bacillus cereus“ bezeichnet werden. Das Toxin, das nicht durch Hitze inaktiviert wird, kann 0,5 bis 6 Stunden nach Aufnahme Übelkeit und Erbrechen auslösen. Laut BfR klingen die Symptome meist innerhalb von 24 Stunden von selbst ab. Im Einzelfall, insbesondere bei Aufnahme einer hohen Konzentration, sind Organschäden, beispielsweise an Leber und Nieren, nicht auszuschließen. Es wurde auch von Todesfällen berichtet.
Bislang gibt es keine gesetzlichen Grenzwerte für dieses Toxin, an denen sich auch die Lebensmittelüberwachung für die Beurteilung und die Festlegung von Maßnahmen orientieren kann. Im Auftrag der Gesundheitsdirektion der Europäischen Kommission (DG Sante) führte die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) eine beschleunigte Risikobewertung mit dem Fokus auf die besonders empfindliche Gruppe der Säuglinge durch.
Aus Studiendaten wurde eine akute Referenzdosis (ARfD) von 0,014 µg(kg Körpergewicht abgeleitet. Unter Berücksichtigung der erreichbaren Verzehrmengen von Säuglingsanfangsnahrung oder Folgenahrung ergab sich, dass ab einer Konzentration von 0,054 µg/L oder von 0,1 µg/L der ARfD überschritten werden kann. Damit liegt nun eine valide Bewertungsgrundlage vor, die auch Laboratorien und Herstellern die Bewertung erleichtert.
Quellen:
- BfR: Mitteilung Nr. 007/2026 vom 03.02.2026, www.bfr.bund.de
- EFSA (2026): Rapid risk assessment on acute reference dose (ARfD) of cereulide in infants and information on acute consumption of infant formulae. EFSA Journal, 24(1), e9941, https://doi.org/10.2903/j.efsa.2026.9941
Dr. Marion Gebhart